Page 8 - Chronik 100 Jahre Fussball Stupferich
P. 8

Zum „Kicken“ wurden die Weikleswiesen und die Wiesen am Igelseck benutzt. Auch im Wiesental wurde gespielt.
        Anfangs meistens heimlich, wurde das „passende Spielfeld ausspioniert“. Dann wurden die Torstangen am Abend
        zuvor dort deponiert und sonntags gekickt, bevor der Eigentümer dies mitbekam. Die Torstangen wurden natürlich
        wieder mitgenommen, damit sie nicht als Kleinholz endeten. Die ältere Generation hatte hierfür wenig Verständnis
        und so wird der Ausspruch „Uff meinere Wies werd koi Fußballclub gekickt!“ öfters gefallen sein.
        Während Josef Becker sich als Vereinsvorstand um die Organisation des Vereins kümmerte, war Gründungsmitglied
        und hierorts angestellter Lehrer Kurt Hüber erster Trainer. Er war Spieler beim Karlsruher FV und gab sein
        fußballerisches Können und Wissen an die Jugend weiter. Unsere Recherche beim Karlsruher FV ergab (aus heutiger
        Sicht betrachtet) eine kleine Sensation. Kurt Hüber gehörte zur Meistermannschaft des Karlsruher Fußballvereins,
        welcher im Finale am 15. Mai 1910 gegen Holstein Kiel in Köln 1:0 gewann. Ob das den jungen Frankonen bewußt
        war? Gehen wir einmal davon aus – aber Fußball hatte damals noch lange nicht diesen Stellenwert, so dass wir
        annehmen können, dass Kurt Hüber mehr als Lehrer denn als Fußballmeister eine Respektsperson war.

                                                                                         Meistermannschaft des
                                                                                         Karlsruher Fußballvereins 1910
                                                                                         Obere Reihe, von links: Kurt
                                                                                         Hüber, Hirsch, Ruzek, Breunig,
                                                                                         Schwarze, Dell
                                                                                         Untere Reihe: Hollstein, Fuchs,
                                                                                         Förderer, Tscherter, Bosch,
                                                                                         Townley (Trainer)
























        Bald nach der Gründung sind der Frankonia weitere junge Männer beigetreten, welche größtenteils aktiv waren:
        Hermann Becker, Josef Doll, Josef Eldracher, Peter Gartner, Philipp Gartner, Hermann Krieger (aus Durlach), Adolf
        Lutz, Albert Lutz, Friedrich Vogel, Josef Vogel, Rudolf Vogel, Edmund Weiler und Ludwig Weiler. Oft wurde in einer
        Sechser-Mannschaft gespielt. So auch im Jahre 1912, als man beim Sportfest in Söllingen den ersten Pokal gewinnen
        konnte. An Meisterschaftsspielen nahm man nicht teil, denn schon bald sollte der erste Weltkrieg fast alle Mitglieder
        zu den Waffen rufen.
        „Auf dem Feld der Ehre“ starben mit Anton Doll, Kurt Hüber, Xaver Kist, Rudolf Kunz, Anton Scheib und Pius Vogel
        sechs Gründungsmitglieder. Josef Becker kehrte als Invalide zurück.













                                                            8
   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13